Flauten und starkwind
Rund Korsika, 30. April bis 6. Mai 2005
Ein Hoch lag direkt über dem thyrrenischen Meer. Einen brauchbaren Segelwind würden wir an diesem Sonntag also kaum finden. Immerhin erleichterte die Grosswetterlage den Entscheid, ob wir im Uhrzeiger- oder im Gegenuhrzeigersinn Korsika umrunden sollten. Dieser Entscheid ist jeweils recht heikel zu treffen. Liegt man falsch, so ist die Umrundung in einer Woche oft nicht mehr zu schaffen. Es sprach einiges dafür, rasch in die Strasse von Bonifacio zu gelangen, um dann die angesagten südwestlichen bis westlichen Winde zu nutzen. Wir entschieden uns also für die Variante im Uhrzeigersinn.
Für den ersten Tag waren schwache südliche bis südöstliche Winde prognostiziert. Unser Ziel hiess Solenzara im Südosten von Korsika gelegen. Also entschlossen wir uns, Elba rechtsherum zu umfahren, so dass wenigstens eine gewisse Aussicht bestand, die Tücher später doch noch vorheissen zu können. Kurz vor Mittag liefen wir aus, passierten in der Strasse von Piombino eine dichte Nebelbank und genossen danach die Sonne. Am Abend kam die ersehnte Brise auf, die wir sofort nutzten. Kurz nach zwei Uhr in der Nacht erreichten wir Solenzara; die ersten 88 Meilen waren geschafft.
Eindrückliche Einfahrt
Am Montag gings nach Bonifacio. Wir nutzten jeden Windhauch und segelten so immerhin rund elf Seemeilen, die schönste Strecke war natürlich jene bis zum langgezogenen und landschaftlich sehr eindrücklichen Fjord von Bonifacio. Die Einfahrt ist immer wieder eine Wucht und die Fotokameras liefen entsprechend heiss. Kurz nach achtzehn Uhr lagen wir fest.
Das Zentrum des Hochs lag nun über Korsika, aus Westen näherte sich ein Kaltfront. Der Wind blieb schwach, die Sonne verschwand zeitweise und am Schluss streiften wir sogar noch ein Gewitter. Wir erreichten Calvi um 22.30 Uhr. Ein Schlag von 91 Seemeilen lag hinter uns.
Mit Starkwind zum Cap Corse
Am nächsten Tag ging die Post ab. Westwind war angesagt und Météo France meldete Starkwindwarnungen exakt für die Strecke, die nun vor uns lag. Météo France irrt sich eher selten. Zwischen 20 und 30 Knoten lagen die Windgeschwindigkeiten, einmal touchierte der Windmesser acht Beaufort. Wir rauschten dem Cap Corse förmlich entgegen. Als Macinaggio, unser Ziel ganz im Nordosten der Insel, vor uns lag, blies uns der Wind auf die Nase. Hart am Wind kreuzten wir vor den Hafeneingang. In der Nacht trafen uns heftige Fallböen; gut hatten wir die Mooringleine vorsichtshalber kräftig dichtgeholt.
Auf dem Schlag nach Porto Azzuro, also zurück nach Elba, polierten wir unser Segelmeilenkonto weiter auf. Erst recht dann noch auf dem letzten Schlag zurück nach Portoferraio. Der Motor lief gerade mal während einer Seemeile.
| Zurückgelegte Seemeilen: 357. Die
Crew: Kurt Gimmel, Stephan Lutz, Beat Marrer, Thomas Stäheli, Hans Strickler (Skipper-Stv.). Der Skipper: Heinz Ernst Daester. Segelacht Chattanooga, Sun Odyssey 49. |
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