Durch den herrlichen Maddalenen-Archipel
Elba-Korsika-Sardinien, 27. April bis 4. Mai 2002
Der Wetterbericht verhiess variable Winde bis Beaufort 3. Der Stützpunktleiter von Sun Charter sprach von Süd- bis Südwestwinden um Windstärke 5. Was die Windrichtung betraf, sollte er Recht behalten, bezüglich der Stärke lag er wenigstens teilweise nahe der Wahrheit. Auf unserem ersten Schlag von Portoferraio hinüber nach Bastia auf Korsika blies der Wind stets aus Süden, beim Auslaufen noch eher schwach, dann aber, als wir das Inselchen Scoglietto gerundet hatten, bereits recht kräftig: fünf bis sechs Beaufort zeigte das Anemometer an. Beim Mann-über-Bord-Manöver waren die Bedingungen dann schon dergestalt, dass sich jedes Crewmitglied ohne Schwierigkeiten vorstellen konnte, wie anspruchsvoll die Rettung eines über Bord Gefallenen sein kann, wenn zur frischen Brise (Beaufort 6) auch noch Seegang hinzukommt. Als wir Capo d’Enfola hinter uns liessen, um den Golfo di Procchio zu queren, machten wir Bekanntschaft mit den kräftigen Böen, die gelegentlich aus den Tälern zwischen dem Monte Capanno und dem Monte Orello hinaus auf den Golf fauchen. Gut für uns, dass wir kurz davor das Reffen geübt hatten – zeitweise kletterte die Windanzeige über 40 Knoten hinaus. Kaum lag Marciana Marina, das Hafenstädtchen, das den Golfo di Procchio westlich begrenzt, hinter uns, flatterten die Segel lustlos im kaum noch vorhandenen Wind – das Meer ist doch immer wieder für überraschende Gegensätze gut. Später meldete sich der Wind mit fünf bis sechs Beaufort zurück. Die Bugwelle rauschte, dass es eine Freude war. Kurz nach 19 Uhr erreichten wir Bastia, wo wir es uns in einer gemütlichen Hafenkneipe bei einem schmackhaften Fischessen wohl ergehen liessen.
Eindrückliche Nachteinfahrt
Am nächsten Tag stand einer langer Schlag in den Süden Korsikas an. Eindrücklich ist auf dieser Tagesetappe stets die Nachteinfahrt nach Porto Vecchio. Leucht- und Richtfeuer, ein gefährliches Riff - die Klippen der Pecorella - sowie schmale Fahrwasser mit unbeleuchteten Tonnen machen deutlich, welchen Stellenwert die Navigation besitzt. Die nächste Tagesetappe sollte für uns zum „Königsschlag“ werden. Die Zutaten: eine frische Brise, stahlblauer Himmel und eine pittoreske Inselwelt - der Maddalenen-Archipel. Als wir den Golf von Porto Vecchio verliessen wehte es noch aus Ost. Voraus zeichnete sich aber bald die erwartete Winddrehung ab; die See war besprenkelt mit Schaumkrönchen, verursacht von einem kräftigen Wind, der aus der Strasse von Bonifacio wehte. Die schmale Durchfahrt bei La Maddalena bewältigten wir unter Segel, was die Crew auf Trab hielt, denn starker Fährverkehr und viele Richtungsänderungen erforderten dauernde Segelmanöver, hinzu kam der zahlreichen Klippen und Felsen wegen die Notwendigkeit exakter Navigation. Als wir südlich der Insel Caprera auf Ostkurs gehen konnten, liessen wir es uns nicht nehmen, den Spi vorzuheissen: Porto Cervo – here we come. Früh am nächsten Morgen verliessen wir die Nobelmarina, die in der Vorsaison verlassen wirkt und keineswegs überdurchschnittliche Preise für ihre Dienste verlangt. Gut 110 Seemeilen wurden uns abverlangt bis wir im geschäftigen Hafen von Santo Stefano auf der Halbinsel Argentario festmachen konnten. Ueber Porto Azzuro erreichten wir in den kommenden zwei Tagen schliesslich wieder Portoferraio, wo wir zum Ausklang in der stets gut besuchten Hafenkneipe der Esaom-Marina ein typisch italienisches Gelage veranstalteten, mit Appetit anregenden Antipasti, Meeresfrüchten und Fisch, vollmundigen Weinen, feinen Desserts und dem obligaten Grappa zu den Espressi.
| Zurückgelegte Seemeilen: 319. Die
Crew: Norbert Ayer, Daniel Daester, Monika Dettling, Beat Hausherr, Emil Kradolfer, Antonello Morelli, Karin Siegenthaler. Der Skipper: Heinz Ernst Daester. Segelyacht Inspiration, Sun Odyssey 45.1. |
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Auf zum “Königsschlag” von Porto Vecchio nach Porto Cervo. Von links: Monika Dettling, Karin Siegenthaler (am Ruder), Antonello Morelli, Heinz Daester, Emil Kradolfer, Norbert Ayer. Nicht auf dem Bild: Beat Hausherr (beim Navigieren) und Daniel Daester (Fotograf).
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