lange BlauwasserschlÄge
Kanarische Inseln, 29.10. bis 4.11.2005
Der Törn begann mit einem Wermutstropfen. Müde von der Flugreise begaben wir uns gleich auf Einkaufstour. Ohne Taxi ist dies in Santa Cruz auf Teneriffa unmöglich. Das nächstgelegene Shoppingcenter liegt ausserhalb der Gehdistanz. Mit einem prallvollen Einkaufswagen reihten wir uns am Taxistand wieder ein. Die Schlange der Wartenden vor uns nahm langsam ab und als wir dran waren, weigerte sich der Taxifahrer, unsere Fuhre zu übernehmen. Unter grossem Lamento wies er auf unseren Proviant hin, den er nicht zu transportieren gedenke. Hätten sich die wartenden Einheimischen nicht ebenso lautstark für uns eingesetzt, die Rückkehr aufs Schiff wäre zu einer Wanderung der mühsameren Art ausgeartet.
Auf nach Fuerteventura
Nichtsdestotrotz liefen wir wie geplant am Sonntagnachmittag aus. Vor uns lag eine lange Reise von 145 Seemeilen durchs tiefe (blaue) Atlantikwasser. Sie führte uns via Las Palmas auf Gran Canaria nach Morro Jable auf Fuerteventura. Schöne, längere Segelschläge wechselten mit Motorstrecken ab. Den Schlag nach Fuerteventura legten wir vollständig unter Segeln zurück, wobei uns für einige Zeit eine Schule Delfine begleitete. Zwei der spielfreudigen Gesellen sprangen im Duett. Kurz bevor wir den Hafen erreichten, nahm der Wind schlagartig zu. Wir refften, bis das Gross zum Handtuch und die Genua zum Badetuch geworden war. Beim Abendessen langten alle tüchtig zu.
El Castillo hiess unser nächstes Ziel. Um dieses zu erreichen, mussten wir bei 20 bis 25 Knoten Wind ein gutes Stück auf die Kreuz. Der hübsche kleine Hafen gehört zu einem ausgedehnteren Ferienort. Zur Feier des Tages gönnten wir uns ein herrliches Fischessen und liessen den Abend an einer Poolbar ausklingen.
Gegen zehn Uhr am nächsten Morgen lösten wir die Leinen und nahmen Kurs auf Playa Blanca, an der Südspitze von Lanzarote gelegen. In Las Palmas hatte mir ein freundlicher Skipper den Tipp gegeben, ja die Marina Rubicón zu besuchen. Wir würden es nicht bereuen, fügte er verschmitzt hinzu. Und in der Tat war die Marina den Besuch wert. Beinahe neu, gut geschützt und mit ausreichend Besucherplätzen gesegnet bietet diese Marina eine sensationelle Infrastruktur, inklusive riesigem und kostenlos zu nutzendem Pool, vielen Restaurants sowie tollen Läden, Boutiquen und Galerien. Der Service war sehr freundlich. Die Kosten für eine Nacht: 30 Franken. Segler, kommst du nach Lanzarote...
Tückische Windverstärkungen
Gegen 15 Uhr am nächsten Tag hissten wir nach einem eingeschobenen Manövertraining erneut die Segel. Vor uns lag ein Schlag von rund 140 Seemeilen zurück nach Teneriffa. Schlechtes Wetter war angesagt, also nichts wie los. Erst refften wir aber nach Leibeskräften, denn bevor wir offenes Wasser erreichten, hatten wir wieder eine der berühmten Zonen mit Windverstärkungen zu durchsegeln. Acht Beaufort zeigte das Anemometer kurzzeitig an. Es wurde eine lange, aber recht schöne Nacht. Der Wind pendelte um die 18 bis 20 Knoten, der Seegang zeigte sich von der angenehmen Seite mit Wellen um 1,5 Meter Höhe, die uns zudem tüchtig schoben. Der Regen kam erst am nächsten Morgen und mit ihm auch der Wind. Frische 25 bis 30 Knoten wurden uns in die Tücher gepustet. Die See war nun rau, doch das Ziel war nah. Um 14.20 Uhr lagen wir in Santa Cruz fest. Die Sonne zeigte sich wieder und animierte uns zu einer Rundfahrt durch den sattgrünen Norden von Teneriffa. Selbstverständlich statteten wir auch dem monumentalen Opera House des weltberühmten Architekten Santiago Calatrava einen Besuch ab. Santa Cruz hofft, mit diesem Bauwerk die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zu ziehen. Jetzt müsste der Bürgermeister nur noch die Taxifahrer animieren, mit den Besuchern freundlich umzugehen.
| Zurückgelegte Seemeilen: 404. Die
Crew: Bernhard Borner, Monika Dettling, Marcello Mighali. Der Skipper: Heinz Ernst Daester. Segelacht Tzigane, Sun Odyssey 43 DS, alle Kabinen einzeln belegt. |
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