Untiefen, Stromschnellen und Pastagerichte

Tidentörn Bretagne, 15. bis 22. September 2001

Die Gross-wetterlage verhiess uns Winde aus West bis Nord, und zwar für die nächsten Tage. In dieser Richtung lag aber auch unser weitest gelegenes Ziel, Concarneau, das wir von unserem Ausgangshafen Port du Crouesty, am Eingang zum Golf von Morbihan gelegen, anlaufen wollten. Unser Törnplan sah dann eine Rückkehr via Belle Ile in die Baie de Quiberon und schliesslich das Einlaufen in den erwähnten Golf vor, der seiner starken Tidenströme und natürlich auch seiner landschaftlichen Schönheit ein ausgesprochen reizvolles Revier abgibt.

Genügend Wasser unter dem Kiel?
Nach umfassender Sicherheitseinweisung am Steg und dem Einsegeln inklusive MOB-Manöver gings los. Unser erster Schlag sollte nach Port Tudy auf der Ile de Groix führen, wo wir uns vorgenommen hatten, im Bassin à Flot die Nacht zu verbringen. Die Tidenberechnung ergab, dass wir zwischen 15.00 und 19.00 Uhr ankommen mussten, ansonsten das Tor geschlossen sein würde. Wir fanden uns zur Zeit ein, der Torwärter beschied uns allerdings, dass er entgegen den Angaben im Hafenhandbuch am nächsten Tag erst beim zweiten Hochwasser wieder öffnen würde. Das kam für uns natürlich nicht in Frage und wir verholten an einen Platz an einem Schwimmsteg im vorgelagerten Hafenteil, wo wir sorgfältig die Wassertiefe loteten. So ganz sicher waren wir uns zunächst nicht, ob sie ausreichen würde, denn mittlerweile hatten wir Springzeit. Die Lotungen ergaben, dass bei Niedrigwasser knapp zwanzig Zentimeter Wasser unter dem Kiel verbleiben würden, nicht gerade viel, aber ausreichend.

Der nächste Schlag führte uns mit einem Zwischenstopp auf den Iles de Glénan nach Concarneau. Auf den mit Untiefen und Riffen geradezu gespickten Glénan-Inseln, übrigens Übungsgebiet der grössten Segelschule Frankreichs, nahmen wir uns die Passage einer seichten Stelle vor, für die wir bei der Tidenberechnung die frühest mögliche Durchfahrtszeit zu berechnen hatten. Am nächsten Morgen in Concarneau erhielten wir Besuch vom Zoll, der nicht nur die Schiffspapiere genauestens unter die Luppe nahm, sondern auch die Sicherheitsausrüstung, insbesondere die Signalraketen, akribisch prüfte. Nach wie vor blies der Wind mit drei bis fünf Beaufort aus nördlichen Richtungen, der Spi kam also zum Einsatz. Um 18.00 Uhr erreichten wir unser Ziel: das pittoreske Le Palais mit seiner berühmten Zitadelle auf Belle Ile.

Reissende Ströme
Am nächsten Tag, es war mittlerweile Mittwoch geworden, segelten wir in einem herrlichen Am-Wind-Schlag rund um die Ile Hoédic zum Eingang des Golfes von Morbihan, mit einem kurzen Einkaufsstopp in Port du Crouesty. Eine hochinteressante Passage vorbei an Engnissen mit eigentlichen «Stromschnellen» und Untiefen in den hintersten Winkel des Golfes folgte. Um 19.40 Uhr lagen wir in Vannes fest und machten uns auf die Suche nach einem gemütlichen Restaurant. Die Ausfahrt aus dem Golf am nächsten Tag bewältigten wir in zwei Teilen. Bei der Pointe de Saint-Nicolas legten wir uns vorerst einmal an eine Boje und warteten ab, bis die Ebbe etwas günstigere Stromgeschwindigkeiten offerierte. Ein Crewmitglied, Kilian Zehner, wird den Ort vermutlich Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen, wurde er von der Crew doch als frisch gebackener B-Schein-Inhaber mit einer kräftigen Dusche getauft. Das Wasser mass dabei kaum viel mehr als 12 Grad! Ein kräftiger Schluck Champagner half ihm, den Kälteschock zu überwinden. Als Zielhafen wählten wir Port Haliguen auf der Presqu’ile de Quiberon.

Der letzte Törntag wurde nochmals zum Segeln genutzt , wobei der phantastischen Bucht von Tréac’h er Goured auf der Ile Hoédic ein Besuch abgestattet wurde. Herrliches Wetter und nicht zuletzt die vielen feinen an Bord genossenen Pastagerichte prägten den Tidentörn mit.


Zurückgelegte Seemeilen: 224. Die Crew: Dorothée und Peter Allenbach, Nicole Kuchelmeister, Erich Peterer, Kilian Zehner, Reto Zibung. Der Skipper: Heinz Ernst Daester.

Biskaya Crew

Die Crew von links nach rechts: Erich Peterer, Kilian (Killy) Zehnder, Reto Zibung, Peter und Dorothee Allenbach, Nicole Kuchelmeister .
(Foto: N.Kuchelmeister)

 


 


 


 


 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

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