Im Rhythmus der Gezeiten

Tidentörn Bretagne, 19. bis 26. August 2000

Als wir Port du Crouesty – eine moderne, grosse Marina mit allen Versorgungs-möglich-keiten und vielen Boutiquen, Restaurants und Ferienappartements – am Sonntag Mittag verliessen, war der Himmel bedeckt. Bald fiel leichter Nieselregen. Wir wollten uns zuerst einmal an die regattamässig geriggte Gib’Sea 414 gewöhnen. Aber leider wehte kaum ein Lüftchen in der Baie de Quiberon, dem Heimatrevier von Eric Tabarly, Frankreichs verschollenem Seehelden, der im Sommer des Jahres 1998 während einer Reise nach Schottland mit seiner geliebten Pen Duick des Nachts über Bord fiel. Also verschoben wir unsere Segelmanöver einstweilen und futterten stattdessen erst einmal unsere Sandwiches. Ein langer Schlag war nicht vorgesehen, unser Ziel hiess Port Bono, weit hinten im Rivière d’Aurey, der in den Golfe du Morbihan mündet. Wir planten unsere Tagesetappe sorgfältig voraus, denn am Eingang zum Golf können Ströme bis zu acht Knoten auftreten und der Fluss ist gespickt mit schmalen Fahrwassern und Untiefen, die wir nur bei passender Höhe der Gezeit befahren konnten. Wir rechneten alle Gezeitenkonstellationen aus und legten uns einen präzisen zeitlichen Ablauf zurecht: Rein in den Golf bei Niedrigwasser, dann hoch zur Pointe Noire, Abwarten vor Anker oder an einer Boje bis die Flut für unseren Tiefgang von 2,35 m genügend gestiegen war und dann ganz schön vorsichtig weiter bis zum Ziel – ein tolles Erlebnis, vergoldet von einer hervorbrechenden Abendsonne.

Der Atlantik lässt grüssen
Bodennebel schwebte am nächsten Morgen über dem Fluss. Wir wollten den Golf in der Stillzeit des Hochwassers verlassen, ohne aber zu früh zu einer schmalen Stelle des Flusses bei Le Petit Huernic zu gelangen, wo ebenfalls recht starke Strömungen herrschen können. Unser Zeitplan ging auf, denn gegen halb zehn Uhr passierten wir die Untiefe Grand Mouton nahe der Ausfahrt aus dem Golf, wo mächtige Strudel auftreten, die den Bug wie von Geisterhand bewegt bald dahin, bald dorthin richten. Unser Tagesziel hiess Le Palais auf Belle Ile, ein überaus schönes Hafenstädtchen mit mächtiger Zitadelle, das wir nach einer Mittagsrast in der karibisch anmutenden Bucht Tréac’h er Goured (keine Tippfehler!) auf der Ile d’Houat und unter einer schönen Vollzeugbrise aus Ost bis Südost gegen 19.00 Uhr erreichten. Concarneau im Nordwesten war unser nächster Etappenort, den wir uns allerdings bei etwas rauheren Bedingungen erst verdienen mussten. Sechs Beaufort, gelegentlich auffrischend auf eine Sieben und ein zum Surfen geradezu einladender Seegang, unterlegt mit einer ein bis zwei Meter hohen Atlantikdünung, sorgte für nicht gänzlich ungeteiltes Vergnügen. Was solls, es gibt immer ein danach und das im Cockpit eingenommene Abendbrot in der schmucken Marina schmeckte uns allen doppelt gut. Über Port Tudy auf der Ile de Groix, wo wir herrlich schmeckende Muscheln und zum Nachtisch bretonische Leckereien genossen, gings bei viel Sonnenschein aber leider schwachem Wind durch die der Halbinsel Quiberon vorgelagerte seichte «Passage de Teignouse» nochmals zur Ile d’Houat in die bereits am Montag besuchte, weitläufige, mit breitem Sandstrand umkränzte Bucht. Nach dem Bad folgte ein Ausflug nach St. Gildas, ein putziger Ort mit niedlichen Steinhäuschen.

Zum Abschluss etwas Regattafieber
Freitags wars geworden, das Ende dieses Gezeitentörns an der reizvollen bretonischen Südküste nahte. Ein plauschmässig ausgetragenes «Matchrace» mit einem zufällig den gleichen Kurs einschlagenden «Gegner» sorgte auf unserem letzten Schlag zurück nach Port du Crouesty für kurze Weile. Flink hefteten wir uns nach einer Wende an seine Versen und zogen bald an ihm vorbei. Nicht ohne den Sportsgeist der anderen Crew angefacht zu haben, denn bald ging ihr Vorsegel runter und hoch kam deren Geheimwaffe. Wir zogen alle Register, doch vergebens, unser Konkurrent setzte sich wieder vor unsere Nasen. Na dann, Freunde, Ehre, wem Ehre gebührt und Danke für den Fight.

Zurückgelegte Seemeilen: 205. Die Crew: Richard Beeli, Johannes Gauglhofer, Beatrice und Marc Oehler, Christoph Niederberger.
Skipper: Heinz Ernst Daester.

Biskaya Crew

Aufgestellte Crew mit (von links nach rechts) Christoph Niederberger, Richard Beeli, Beatrice Oehler, Johannes Gauglhofer, Heinz Daester und Marc Oehler. (Foto: R. Beeli)

 


 


 


 


 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

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